Agri-PV oder Freiflächen-PV: Was lohnt sich für Landwirte & Flächeneigentümer?

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Agri-PV oder klassische Freiflächen-PV? Wer über eine größere landwirtschaftliche Fläche verfügt, steht zunehmend vor dieser Frage. Beide Konzepte erzeugen Solarstrom – unterscheiden sich aber deutlich bei Investitionskosten, Flächennutzung, Anlagenaufbau und wirtschaftlichem Konzept.

Landwirtschaftliche Flächen werden für die Energiewende immer interessanter. Gleichzeitig sollen hochwertige Böden weiterhin für die Produktion von Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Erzeugnissen zur Verfügung stehen.

Genau an diesem Punkt unterscheiden sich Agri-Photovoltaik und klassische Freiflächen-Photovoltaik.

Bei einer klassischen PV-Freiflächenanlage steht die möglichst effiziente Erzeugung von Solarstrom im Mittelpunkt. Agri-PV verfolgt dagegen einen anderen Ansatz: Landwirtschaft und Stromerzeugung sollen auf derselben Fläche miteinander kombiniert werden.

Das klingt zunächst eindeutig nach einem Vorteil für Agri-PV. Wirtschaftlich ist die Betrachtung allerdings komplexer.

Denn höhere Anforderungen an Unterkonstruktion, Abstände, Anlagenlayout und landwirtschaftliche Bewirtschaftung können Agri-PV-Projekte verteuern. Gleichzeitig kann die weitere landwirtschaftliche Nutzung einen zusätzlichen wirtschaftlichen Wert schaffen.

Freiflächen-PV
Fokus auf effiziente und kostengünstige Stromerzeugung
Agri-PV
Landwirtschaft und Solarstrom auf derselben Fläche
Entscheidend
Standort, Netzanschluss, Nutzung und Gesamtkonzept

Was ist der Unterschied zwischen Agri-PV und Freiflächen-PV?

Der wichtigste Unterschied liegt in der Nutzung der Fläche.

Eine klassische Freiflächen-PV-Anlage wird primär für die Stromproduktion geplant. Modulreihen, Abstände und Unterkonstruktion können entsprechend auf eine möglichst wirtschaftliche Energieerzeugung ausgelegt werden.

Bei Agri-PV muss dagegen eine landwirtschaftliche Nutzung der Fläche weiterhin möglich sein. Photovoltaik und Landwirtschaft werden deshalb gemeinsam geplant.

Je nach Konzept können die PV-Module beispielsweise:

  • hoch über landwirtschaftlichen Kulturen angeordnet werden,
  • in größeren Reihenabständen installiert werden,
  • vertikal aufgestellt werden,
  • mit Tracker-Systemen kombiniert werden oder
  • gezielt in bestehende landwirtschaftliche Abläufe integriert werden.

Agri-PV ist deshalb nicht einfach eine Freiflächenanlage mit größeren Abständen. Die landwirtschaftliche Nutzung ist ein zentraler Bestandteil des Anlagenkonzepts.

Agri-PV vs. Freiflächen-PV im direkten Vergleich

Kriterium Agri-PV Freiflächen-PV
Hauptziel Landwirtschaft + Solarstrom Solarstromerzeugung
Flächennutzung Doppelnutzung primär Energieerzeugung
Unterkonstruktion häufig aufwendiger meist standardisierter
Investitionskosten tendenziell höher tendenziell niedriger
PV-Leistung je Fläche systemabhängig, häufig geringer häufig höher
Landwirtschaft bleibt Bestandteil des Konzepts nicht primäres Anlagenziel
Planungsaufwand hoch ebenfalls hoch, aber häufig standardisierter

Welche Variante ist bei den Investitionskosten günstiger?

Betrachtet man ausschließlich die Errichtung einer PV-Anlage, hat die klassische Freiflächen-PV häufig einen Vorteil.

Das liegt unter anderem daran, dass Freiflächenanlagen seit vielen Jahren in großem Maßstab realisiert werden. Unterkonstruktionen, Modulbelegung und Bauabläufe können entsprechend standardisiert und auf niedrige Kosten je installiertem Kilowatt optimiert werden.

Bei Agri-PV muss dagegen zusätzlich die landwirtschaftliche Nutzung berücksichtigt werden.

Je nach System können beispielsweise erforderlich sein:

  • höhere Unterkonstruktionen
  • größere Reihenabstände
  • zusätzliche statische Anforderungen
  • Durchfahrtsmöglichkeiten für landwirtschaftliche Maschinen
  • spezielle Modulkonzepte
  • Tracker oder bewegliche Konstruktionen
  • angepasste Schutz- und Sicherheitskonzepte

Dadurch können die Investitionskosten einer Agri-PV-Anlage höher ausfallen.

Wichtig: „Agri-PV ist teurer“ bedeutet nicht automatisch „Agri-PV ist unwirtschaftlicher“. Entscheidend ist der wirtschaftliche Nutzen des gesamten Projekts – einschließlich Landwirtschaft, Stromerlösen, Flächennutzung und langfristigem Betrieb.

Stromgestehungskosten: Hier hat Freiflächen-PV häufig einen Vorteil

Ein sinnvoller Vergleichswert für unterschiedliche Erzeugungsanlagen sind die Stromgestehungskosten. Sie beschreiben vereinfacht, welche Kosten über die Lebensdauer einer Anlage für eine erzeugte Kilowattstunde Strom entstehen.

Untersuchungen des Fraunhofer ISE zeigen, dass klassische PV-Freiflächenanlagen bei den reinen Stromgestehungskosten besonders günstig sein können.

Agri-PV muss dagegen die zusätzlichen Anforderungen der Doppelnutzung tragen. Wie groß der Unterschied ausfällt, hängt erheblich vom gewählten Agri-PV-System ab.

Eine bodennahe Anlage mit angepassten Abständen ist beispielsweise wirtschaftlich völlig anders zu bewerten als eine mehrere Meter hohe Konstruktion über Sonderkulturen.

Der große Vorteil von Agri-PV: Eine Fläche – zwei Nutzungen

Bei einer reinen Betrachtung der Stromproduktion wird ein entscheidender Vorteil von Agri-PV nicht berücksichtigt: Die landwirtschaftliche Nutzung der Fläche kann parallel fortgeführt werden.

Damit kann dieselbe Fläche zwei wirtschaftliche Funktionen erfüllen:

Landwirtschaftlicher Ertrag + Solarstromerzeugung

Genau diese Doppelnutzung ist das zentrale wirtschaftliche Argument für Agri-PV.

Das Fraunhofer ISE nennt neben der effizienteren Landnutzung weitere mögliche Vorteile: Agri-PV kann beispielsweise zusätzliche und stabilere Einkommensquellen für landwirtschaftliche Betriebe schaffen und bei geeigneten Systemen den Wasserverbrauch reduzieren.

Kann Agri-PV sogar der Landwirtschaft helfen?

Photovoltaik über oder zwischen landwirtschaftlichen Kulturen muss nicht zwangsläufig nur eine Einschränkung darstellen.

Bei geeigneten Kulturen und einem darauf abgestimmten System kann die Teilverschattung beispielsweise Schutz vor extremer Sonneneinstrahlung bieten.

Module können je nach Anlagenkonzept außerdem Funktionen übernehmen oder ergänzen, die ansonsten durch andere Schutzsysteme erfüllt werden müssten.

Fraunhofer ISE weist beispielsweise darauf hin, dass insbesondere Kernobst von Schutzwirkungen profitieren kann, wobei PV-Module unter bestimmten Bedingungen Funktionen von Hagelschutzsystemen übernehmen können.

Solche Synergien sind allerdings stark abhängig von Kultur, Standort und Anlagenkonzept. Sie dürfen deshalb nicht pauschal auf jede landwirtschaftliche Fläche übertragen werden.

Freiflächen-PV: Wenn möglichst viel Solarstrom das Ziel ist

Wenn eine Fläche primär zur Energieerzeugung genutzt werden soll, besitzt die klassische Freiflächenanlage klare Vorteile.

Das Anlagenlayout kann wesentlich stärker auf die Stromproduktion optimiert werden. Die Modulreihen müssen nicht auf landwirtschaftliche Maschinen oder den Anbau von Kulturen Rücksicht nehmen.

Dadurch können unter anderem:

  • mehr PV-Module auf einer Fläche installiert werden,
  • standardisierte Unterkonstruktionen eingesetzt werden,
  • Bau- und Montageprozesse vereinfacht werden und
  • die Investitionskosten je installiertem kWp niedriger ausfallen.

Für Investoren, deren Ziel eine möglichst wirtschaftliche Erzeugung großer Strommengen ist, kann die klassische Freiflächen-PV deshalb die naheliegendere Variante sein.

Der Netzanschluss kann wichtiger sein als Agri-PV oder Freiflächen-PV

Bei größeren PV-Projekten wird ein Faktor häufig unterschätzt: Der wirtschaftliche Erfolg beginnt nicht beim Solarmodul, sondern beim Standort und dessen Netzanschlussmöglichkeit.

Eine hervorragend geeignete Fläche ist wirtschaftlich nur begrenzt interessant, wenn der erzeugte Strom nicht sinnvoll in das Stromnetz eingespeist werden kann.

Deshalb sollten bei einer frühen Projektprüfung unter anderem folgende Punkte untersucht werden:

  • mögliche Anlagenleistung
  • Entfernung zu geeigneten Netzverknüpfungspunkten
  • Netzkapazität
  • Flächengröße und Flächenzuschnitt
  • Topografie
  • Verschattung
  • Zufahrtsmöglichkeiten
  • planungsrechtliche Rahmenbedingungen
  • landwirtschaftliche Nutzung
  • mögliche Vermarktungsmodelle

ZeptoSolar Praxis-Tipp: Bevor viel Zeit und Geld in eine detaillierte technische Anlagenplanung investiert wird, sollte geprüft werden, ob Fläche, mögliche Anlagenleistung und Netzanschluss grundsätzlich zusammenpassen. Gerade bei größeren Projekten kann diese frühe Prüfung entscheidend sein.

Wann kann Agri-PV wirtschaftlich besonders interessant sein?

Agri-PV sollte insbesondere dann näher untersucht werden, wenn die landwirtschaftliche Nutzung einer Fläche langfristig erhalten bleiben soll.

Interessant kann Agri-PV beispielsweise sein bei:

  • Obstbau
  • Beeren- und Sonderkulturen
  • Gemüsebau
  • Ackerflächen mit geeigneter Bewirtschaftungsstruktur
  • Grünland, abhängig vom Anlagenkonzept
  • Flächen, auf denen eine Doppelnutzung ausdrücklich gewünscht ist

Besonders spannend wird das Konzept, wenn die PV-Anlage nicht nur „über der Landwirtschaft steht“, sondern tatsächlich einen zusätzlichen Nutzen für den landwirtschaftlichen Betrieb erzeugt.

Wann spricht mehr für klassische Freiflächen-PV?

Eine klassische Freiflächenanlage kann wirtschaftlich besonders interessant sein, wenn die maximale und möglichst kosteneffiziente Stromproduktion im Mittelpunkt steht.

Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn:

  • keine parallele landwirtschaftliche Nutzung erforderlich ist,
  • eine große zusammenhängende Fläche verfügbar ist,
  • die Fläche planungsrechtlich geeignet ist,
  • ein wirtschaftlicher Netzanschluss realisierbar ist und
  • eine hohe installierte Leistung auf der Fläche angestrebt wird.

Agri-PV oder Freiflächen-PV: Was ist nun wirtschaftlicher?

Die Antwort hängt davon ab, was überhaupt optimiert werden soll.

Geht es ausschließlich darum, möglichst günstig möglichst viel Solarstrom zu erzeugen, hat die klassische Freiflächen-PV häufig Vorteile.

Soll dagegen die landwirtschaftliche Produktion erhalten und gleichzeitig Solarstrom erzeugt werden, verändert sich die wirtschaftliche Betrachtung grundlegend.

Dann müssen Stromertrag und Landwirtschaft gemeinsam bewertet werden.

Projektziel Tendenziell interessant
Maximale PV-Leistung auf der Fläche Freiflächen-PV
Niedrige Kosten der reinen Stromerzeugung Freiflächen-PV
Landwirtschaft soll erhalten bleiben Agri-PV
Doppelnutzung der Fläche Agri-PV
Schutzwirkung für geeignete Kulturen erwünscht Agri-PV prüfen

Nicht jede Fläche eignet sich automatisch für ein PV-Projekt

Unabhängig davon, ob Agri-PV oder eine klassische Freiflächenanlage geplant wird: Die konkrete Fläche entscheidet.

Zwei Grundstücke gleicher Größe können wirtschaftlich völlig unterschiedlich zu bewerten sein.

Lage, Zuschnitt, Netzanschluss, Boden, Topografie, Planungsrecht und die gewünschte Nutzung beeinflussen, was technisch und wirtschaftlich realisierbar ist.

Deshalb sollte die Entscheidung nicht mit der Frage beginnen „Agri-PV oder Freiflächen-PV?“, sondern mit:

Welche Nutzung und welches PV-Konzept holt aus genau dieser Fläche langfristig den größten sinnvollen Nutzen heraus?

Häufige Fragen zu Agri-PV und Freiflächen-PV

Was ist Agri-PV?

Agri-PV beziehungsweise Agri-Photovoltaik kombiniert landwirtschaftliche Nutzung und Photovoltaik auf derselben Fläche. Die PV-Anlage wird so geplant, dass eine landwirtschaftliche Nutzung weiterhin möglich ist.

Was ist der Unterschied zwischen Agri-PV und Freiflächen-PV?

Bei klassischer Freiflächen-PV steht die Solarstromerzeugung im Mittelpunkt. Bei Agri-PV wird dieselbe Fläche zusätzlich weiterhin landwirtschaftlich genutzt. Dadurch unterscheiden sich unter anderem Anlagenlayout, Unterkonstruktion und wirtschaftliches Konzept.

Ist Agri-PV teurer als Freiflächen-PV?

Die Errichtung einer Agri-PV-Anlage kann aufgrund der zusätzlichen technischen und landwirtschaftlichen Anforderungen teurer sein. Ob das Gesamtprojekt wirtschaftlich schlechter ist, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten, da die landwirtschaftliche Nutzung einen zusätzlichen wirtschaftlichen Nutzen darstellen kann.

Was ist wirtschaftlicher: Agri-PV oder Freiflächen-PV?

Für die reine kostengünstige Solarstromproduktion hat Freiflächen-PV häufig Vorteile. Soll eine Fläche gleichzeitig landwirtschaftlich genutzt werden, kann Agri-PV dagegen wirtschaftlich und strategisch interessanter sein. Eine belastbare Entscheidung ist nur anhand des konkreten Projekts möglich.

Kann man unter Agri-PV weiterhin Landwirtschaft betreiben?

Genau das ist das Grundprinzip von Agri-PV. Welche Form der Landwirtschaft möglich und sinnvoll ist, hängt jedoch vom Anlagenkonzept, den Abständen, der Höhe der Konstruktion und der jeweiligen Kultur ab.

Ist jede landwirtschaftliche Fläche für Agri-PV geeignet?

Nein. Neben der landwirtschaftlichen Eignung müssen unter anderem technische, wirtschaftliche, netzseitige und planungsrechtliche Rahmenbedingungen geprüft werden.

Fazit: Die wirtschaftlichste Lösung hängt vom Ziel der Fläche ab

Freiflächen-PV und Agri-PV sind keine direkten Konkurrenten für jedes Projekt. Beide Konzepte verfolgen teilweise unterschiedliche Ziele.

Eine klassische Freiflächenanlage kann Vorteile bieten, wenn eine möglichst hohe PV-Leistung und niedrige Kosten der Stromerzeugung im Mittelpunkt stehen.

Agri-PV wird dagegen besonders interessant, wenn landwirtschaftliche Nutzung und Energieerzeugung dauerhaft miteinander kombiniert werden sollen.

Die höheren technischen Anforderungen können dabei durch die Doppelnutzung der Fläche, landwirtschaftliche Erträge und weitere Synergien relativiert werden.

Für Flächeneigentümer und Landwirte bedeutet das: Die Entscheidung sollte nicht anhand eines pauschalen Kostenwerts getroffen werden. Standort, Netzanschluss, Anlagenkonzept, landwirtschaftliche Nutzung, Investitionskosten und langfristige Erlöse müssen gemeinsam betrachtet werden.

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Ob klassische Freiflächen-PV oder ein alternatives Anlagenkonzept: Eine erfolgreiche Projektentwicklung beginnt mit der Bewertung der konkreten Fläche.

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